Wie durch die Visionen von Kurfürst Karl Theodor Schwetzingen zu einem ganz besonderen Ort wurde…

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Im Garten der Götter, Sagen und Legenden

Wenn ich den Schlossgarten in Schwetzingen* besuche, fühle ich mich sofort wie in eine Zauberwelt versetzt. Wären nicht die anderen Besucher oder Touristen, würde ich mich zwischen den Gottheiten oder Sagenfiguren verlieren. Der Garten besitzt viele versteckte Ecken, in denen ich mich oft auf einmal ganz alleine befinde. Ich könnte dort Stunden einfach nur sitzen, die Stille genießen und mir vorstellen wie die vielen einzigartigen Figuren plötzlich zum Leben erwachen.

Folge mir in die Vergangenheit zu den beiden Kurfürsten Karl Phillipp* und Carl Theodor*

Wie alles anfing

Ursprünglich haben wir nicht Karl Theodor*, sondern Carl Philipp* alles zu verdanken. Dieser war der erste der beiden Kurfürsten. Carl Phillipp* legte den Grundstein für den heutigen Schlossgarten*.

Als er 1718 in die Kurpfalz kam, ernannte er Schwetzingen zu seiner Sommerresidenz und ließ darauf ein Jagdschloss bauen. Der Garten war wesentlich kleiner als heute. Kurfürst Carl Philipp* liebte exotische Gewächse und schon damals entstand so die alte Orangerie.

Schwetzinger Schloss

Kurfürst Carl Theodor; Ein Nachfolger mit Visionen

Kurfürst Carl Theodor*, ließ den Garten der Sommerresidenz zunächst im französischen Barockstil erweitern. Die darauffolgenden 50 Jahre wurde er durch den Architekten Nicolas de Pigage* ausgebaut und mit zahlreichen Skulpturen und raffinierten Gartenarchitekturen ausgestattet. Der Kurfürst stellte Gartenkünstler Friedrich Ludwig von Sckell* in seine Dienste und ließ ihn in Großbritannien zum ersten englischen Landschaftsgärtner Deutschlands ausbilden.

Unter Kaiser Napoleon fiel im Jahre 1803 die rechtsrheinische Kurpfalz an das Haus Baden. Johann Michael Zeyher* war der neue Gartendirektor. Er erschuf das rechteckige große Bassin in der Mitte des Schlossgartens und einen Weiher mit natürlichen Uferlinien.

Klein Versailles in der Kurpfalz

Schloss und Park nannte man schon seinerzeit das “pfälzische Versailles*“. Es ist ähnlich großzügig angelegt wie das Schloss des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Auch ich entdecke bei meinem Besuch sehr viel Ähnlichkeit zu dem traumhaften Park in Frankreich, den ich selbst vor ein paar Jahren besucht habe.

Im Juli hat mich die Stadt Schwetzingen* eingeladen, den Schlossgarten Schwetzingen* zu besuchen.

Der Badhausgarten

Der Apollo – Tempel und das Naturtheater

Wie verzaubert steht ein kleiner Rundtempel auf einem Felsen. Er ist umrahmt von einer Heckenkulisse. Früher stand hier eine aufwendig gestaltete Holzgitterarchitektur. Vor dem Tempel befindet sich eine leicht ansteigende Bühne aus Gras. Sechs Sphinxen sitzen in der Mitte des Naturtheaters. Erhabenen Blickes bewachen sie Richtung Apollo – Tempel den Zuschauerraum. Der flämische Bildhauer Peter Anton von Verschaffelt* erschuf sie 1773.

Der wieder genesene Kurfürst Carl Theodor* ließ hier 1775 die für das Gartentheater komponierte Oper „L’Arcadia conservata“ aufführen.

Vor den Sphinxen habe ich großen Respekt. So besteige ich die Stufen Richtung Apollo – Tempel. Du kannst ihn nur über ein verzweigtes Netz von unregelmäßigen Treppenstufen oder über die grottenähnlichen Gänge im Felsenunterbau erreichen. Sinnbildlich führt der Weg den Menschen von der Dunkelheit ans Licht. Ich staune, über die wohl tieferen Gedanken des Gartenbauers.

Im Tempel steht die Figur von Apoll. Er ist der Gott des Lichts und der schönen Künste. Der Apollo – Tempel bietet dir eine wundervolle Aussicht auf das Naturtheater, das daran anschließende Orangerieparterre und auf den umgebenden Landschaftsgarten.

Das Badhaus, der Rückzugsort des Kurfürsten

Augenblicklich fühle ich mich nach Italien versetzt. Mich erinnert das Badhaus des Kurfürsten an meinen Besuch in der Toscana.

Das kleine, einstöckige Gebäude steht auf einem rechteckigen Grundriss. Gebaut wurde es zwischen 1768 und 1772.

Es kann durch zwei gegenüberliegende Eingänge betreten werden. Bei geöffneten Türen ist sichtbar, wie das kleine Schloss auf der Nord-Süd-Achse zwischen dem Bassin der wasserspeienden Vögel und dem Apollo – Tempel aufgestellt ist. Schaust du nach Osten, öffnet sich die Aussicht auf eine Rasenfläche mit dem “champignon d’eau”, auch Linsenschüssel genannt. Gitterwerk, Mauern und Hecken schützten den Fürsten vor den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit.

In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein schöner Ovalsaal. Er wurde als Festsaal genutzt. Ich schaue nach oben und entdecke ein wunderschönes Deckengemälde. Es nennt sich „Aurora vertreibt die Nacht“ und stammt aus dem Pinsel von Nicolas Guibal*. Das Gemälde zeigt den Lauf der Zeit, dem der Mensch sich nicht entziehen kann.

Einer der faszinierenden Orte des Badhauses ist das Badezimmer. Der Kurfürst badete hier in einer in den Boden eingelassenen, ovalen Marmorwanne. Daß der Herrscher sehr modern war, stellt man spätestens hier fest: Das erhitzte Badewasser wurde durch Rohre aus Blei aus der nahe gelegenen Badhausküche geleitet.

Der Regent nutzte das Badhaus, um sich der Musik, Literatur und privaten Gesprächen zu widmen.

Am Ende der Welt

Eigentlich nennt sich das Fresko “Das Perspektiv”. Es wurde von dem Nicolas de Pigage* gestaltet. Eigentlich ist es lediglich eine Kopie eines Gemäldes von Ferdinand Kobell* auf einer Mauer. Der Kurfürst hatte dies zur Erholung von seinen Mühen für sich und die Seinen in den Stunden der Muße geschaffen.

Der Lichteinfall wird hier so geschickt genutzt, dass das Bild sehr realistisch wirkt. Magisch wird der Blick des Betrachters durch einen dunklen Gitterwerktunnel auf die Landschaft gezogen.

Im Volksmund nennt sich das Kunstwerk schlicht “Am Ende der Welt”.

Das Tor zu diesem tollen Wandfresko ist derzeit geschlossen. Aber auch von Weitem, bin ich wie gebannt von diesem Wandbild.

Tipp:

Ein ganz besonderer Effekt, den du unbedingt testen musst:
Wechsle vor dem Bild den Standort. Du wirst sehen, der Ausblick in die Landschaft verändert sich.

Der Merkurtempel; Die romantische Ruine

Eine Ruine vom Erbauer gewollt romantisch oder einfach zufällig zerstört? Diese Frage stellte wohl nicht nur ich mir, sondern auch die Bauarbeiter bei der Restaurierung.

Das späteste Bauwerk war der Merkurtempel. Er entstand 1784 und wurde von Nicolas de Pigage* erschaffen. Darstellen sollte dieser eine romantische Ruine. Auch hier hat sich der Kurfürst wieder tiefere Gedanken über sein Bauwerk gemacht: Als Tempelbau erinnert er an ein Grab. Gleichzeitig offenbart er als Ruine die Vergänglichkeit.

Heute ist der Merkurtempel nach langen Jahren der Restaurierung wieder begehbar. Das obere Geschoss mit seinen Fensteröffnungen ist ein eindrucksvoller Aussichtspunkt über den großen Weiher und zur berühmten Gartenmoschee.

Weltoffen und tolerant; Die Gartenmoschee

Dass Kurfürst Carl Theodor*, ein sehr moderner Herrscher war, zeigt sich mir erneut beim betreten der Gartenmoschee. Das Bauwerk ist wunderschön. Die Gartenmoschee zählt zu den faszinierendsten Bauten im Schlossgarten Schwetzingen*.

Ich staune darüber, wie tolerant und weltoffen sich der Kurfürst sich auch hier zeigt. Als letztes erhaltene Bauwerk seiner Art aus dem 18. Jahrhundert, ist es ein einmaliges Zeugnis für das damals herrschende Interesse an der arabischen Welt.

Nicolas de Pigage* errichtete die Gartenmoschee mit ihrem Zentralbau, den beiden Minaretten und Gebetsgängen zwischen 1779 und 1795.

Die Inschriften im Inneren der Moschee sind in arabischer und deutscher Sprache. Sie verweisen auf Tugenden wie Fleiß, Weisheit und Verschwiegenheit. Alle arabischen Texte haben übrigens Fehler in der Punktierung der Konsonanten und der Vokalisierung. Diese hat der deutsche Steinmetz zu verantworten, der 1794 die Inschriften übertrug.


Besucher – Tipp:

Besuche den Schlossgarten in Schwetzingen im März.
Die japanische Zierkirsche verwandelt den Obstgarten gegenüber der Moschee in ein überwältigendes rosafarbenes Blütenmeer.

Der Minerva Tempel

Die römische Göttin Minerva findest du gleich mehrfach im Schlossgarten Schwetzingen*. Sie ist die Göttin der Weisheit, der friedlichen Künste und Wissenschaften, insbesondere der Gartenkunst.

Ein ganz besonderer Tempel steht ihr zu Ehren hinter den Laubengängen im Schlossgarten. Im Inneren des Bauwerkes befindet sich eine Statue der Göttin. Ihr zu Füßen sitzt eine Eule. Eine Säulentrommel mit einem geschmücktem Stierschädel steht nicht weit von ihr. Marmorbänke dienen den Parkbesuchern als Ruheraum.

Verweilen möchte ich dort trotzdem nicht. Irgendwie jagt mir die Figur und der Tempel einen Schauer über den Rücken.

An der Tempelseite entdecke ich einen kleinen Eingang. Eine Maske von Pan wird über der Tür angezeigt. Später lese ich, dass sich hier ein rechteckiger Raum mit Nischen und runden Fensteröffnungen befindet. Dieser zeigt Merkmale eines geheimen Versammlungsortes. Meine Neugier ist geweckt. Bei nächster Gelegenheit muss ich mir den Minerva Tempel unbedingt näher anschauen.

Eine Begegnung mit Pan

Versteckt auf einem Felsen sitzt Pan, der Gott der Hirten. Kleine Wasserrinsale laufen über den Tuffsteinsockel unter ihm.

Der Ort strahlt eine Natürlichkeit und Zufriedenheit aus. Ich bin sofort wie verzaubert und setze mich zu seinen Füßen.

Die Figur erschuf der Mannheimer Hofbildhauer Simon Peter Lamine* im Jahr 1774. Sie gehört zu den Schönsten im Schwetzingen Schlossgarten.

Nur mit Mühe kann ich mich von Pan lösen.

Das Wahrzeichen von Schwetzingen

Meine Zeit ist um und ich überlege, wann ich wieder den Schlossgarten in Schwetzingen* besuchen kann. So viel habe ich noch nicht gesehen. Einige Bauwerke möchte ich mir unbedingt noch einmal genauer anschauen.

86 noch heute erhaltene Figuren zieren die Anlage. Ich habe vielleicht ein Drittel davon intensiv betrachten können. Zu kurz war die Zeit.

Richtung Ausgang fallen mir die Hirschgruppen in der Mitte des Gartens am Kreispaterre auf. Diese wurden zwischen 1766 und 1769 von Peter Anton von Verschaffelt* geschaffen. Hier wurde das Thema Jagd aufgegriffen. Diese spielte in der Sommerresidenz von Kurfürst Carl Theodor* eine große Rolle. 

Der Hirsch, das Wahrzeichen Schwetzingens, verabschiedet mich aus dem wunderschönen Schlossgarten, der so viel Eindruck hinterlassen hat. Ich kann es kaum erwarten, die Parkanlage erneut zu besuchen.


Infos zum Besuch im Schlossgarten Schwetzingen*:

SCHLOSSGARTEN*

28. April bis 30. Oktober
Mo – So, Feiertag: 08:00 – 21:00 Uhr
Letzter Einlass 19.30 Uhr

31. Oktober bis 26. März
Mo – So, Feiertag: 09:00 – 17:00 Uhr
Letzter Einlass 16.30 Uhr

Die Gäste werden gebeten, den Schlossgarten am Ende der Öffnungszeit zu verlassen.

SCHLOSSKASSE*

28. April bis 30. Oktober
Mo – So, Feiertag 09:00 – 19:30 Uhr

31. Oktober bis 26. März
Mo – So, Feiertag 09:00 – 16:30 Uhr

Preise:
Erwachsene 7,00 €
Ermäßigte 3,50 €
Familien 17,50 €
Gruppen (ab 20 Personen) pro Person 6,30 €

SCHLOSSGARTEN MIT FÜHRUNG*

Erwachsene 10,00 €
Ermäßigte 5,00 €
Familien 25,00 €
Gruppen (ab 20 Personen) pauschal zzgl. Garteneintritt 90,00 €

Weitere Informationen über den Schlossgarten Schwetzingen:
Schlossgarten Schwetzingen *

Herzlichen Dank an die Stadtverwaltung Schwetzingen* für die Einladung.

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